27.10.2008 | Pressekonferenz zum Thema Hartz IV

Vermittlung neu bewerten: Vorstoß von Pipa, Hielscher und Müsse

„Vermittlung ist nicht gleich Vermittlung.“ Mit diesen Worten stellten Erich Pipa, Landrat des Main-Kinzig-Kreises, und seine Kollegen Hans-Jürgen Hielscher, Erster Kreisbeigeordneter des Main-Taunus-Kreises, und Dr. Wolfgang Müsse, Erster Kreisbeigeordneter des Hochtaunus-Kreises bei einer Pressekonferenz in Wiesbaden eine alternative Vermittlungsstatistik vor. Mit der vom Main-Kinzig-Kreis entwickelten Vermittlungsstatistik wird der Fokus auf die Qualität der Vermittlung gerichtet, zudem werden weit weniger Daten abgefragt, als dies die derzeitige Statistik der Bundesagentur für Arbeit für notwendig erachtet. Auch der hessischen Sozialministerin Silke Lautenschläger hat Landrat Erich Pipa seine alternative Vermittlungsstatistik bereits vorgestellt. Der Main-Kinzig-Kreis, der Main-Taunus-Kreis und der Hochtaunuskreis kümmern sich als erfolgreiche Optionskommunen in eigener Verantwortung um die Vermittlung von Langzeitarbeitslosen.

„Die Nachhaltigkeit der Vermittlung von Langzeitarbeitslosen muss das entscheidende Kriterium sein“, betonte Pipa bei der Pressekonferenz. Er und seine Options-Mitstreiter Dr. Wolfgang Müsse und Hans-Jürgen Hielscher können nicht nachvollziehen, warum Vermittlungen in „Billigjobs“ in der momentanen Statistik den selben Stellenwert haben wie Vermittlungen in den 1. Arbeitsmarkt, bei denen Langzeitarbeitslose fortan ohne staatliche Hilfe leben können.

 „Wir brauchen mehr Klasse zur Masse am Arbeitsmarkt und nicht Vermittlung um jeden Preis“, forderte Hans-Jürgen-Hielscher.  Als Optionskommunen setzen der Main-Kinzig-Kreis, der Main-Taunus-Kreis und der Hochtaunuskreis gleichermaßen auf eine sorgfältige Qualifizierung, intensive Betreuung und passgenaue Vermittlung der Langzeitarbeitslosen in ihren Landkreisen. 

Vor dem  Hintergrund der qualitativen Bewertung, und „weil wir uns mit der derzeit angewandten Statistik zu Tode evaluieren“, hat Landrat Erich Pipa ein neues Punktwertesystem entwickeln lassen, das die Zahl der monatlichen Vermittlungen unterschiedlich bewertet. In der alternativen Statistik werden die Vermittlungsarten, ob mit oder ohne Lohnkostenzuschuss, ebenso analysiert wie die Form (Vollzeit, Teilzeit, geringfügige Beschäftigung) und die Folge des Arbeitsverhältnisses. „Kommt ein Langzeitarbeitsloser durch seinen Job raus aus dem SGB II-Bezug, oder muss er weiter vom Staat unterstützt werden, das ist doch die Frage aller Fragen,“ betonte Dr. Wolfgang Müsse. Für jede Art der Vermittlung gibt es deswegen abgestufte Punktwerte. „Die meisten Punkte gibt es für eine Vermittlung in Vollzeit ohne Lohnkostenzuschuss, die wenigsten für eine geringfügige Beschäftigung und den Verbleib im SGB II-Bezug“, erklärte Müsse. 

„Folge der Bewertung ist, dass nicht allein die blanke Vermittlungszahl, sondern die Vermittlungsqualität entscheidend ist. Da müssen wir hin“, wiederholten die drei Arbeitsmarktpolitiker ihre Forderung. Das von Pipa, Hielscher und Müsse geforderte grundsätzliche Umdenken spiegelt sich bislang in keiner Statistik wider. „Im Gegenteil: Da schneiden andere Kommunen zum Teil besser ab, weil sie ihre langzeitarbeitslosen Jugendlichen in drei verschiedene Billigjobs im Monat vermitteln. Bei uns hingegen werden diese Personen in drei Jahren in einem IHK-Beruf ausgebildet, damit sie anschließend auf dem 1. Arbeitsmarkt Fuß fassen“, stellte Erich Pipa die Aussagekraft dieser Art von Statistiken in Frage. „Welche Strategie besser für die Menschen ist, liegt doch auf der Hand“, pflichtete ihm Hans-Jürgen Hielscher bei.