08.11.2011

Nachruf für Professor Dr. Gottfried Kiesow

WIESBADEN - Tief erschüttert erhielten wir die Nachricht, dass unser lieber Parteifreund Professor Dr. Gottfried Kiesow verstorben ist, so Jörg-Uwe HAHN, Landesvorsitzender der FDP Hessen, Florian RENTSCH, Vorsitzender des FDP-Kreisverbandes und Michael SCHLEMPP, Vorsitzender der FDP-Stadtverordnetenfraktion.
 
„Wir verlieren mit ihm einen kompetenten, allseits beliebten liberalen Menschen, dessen Tod uns sehr berührt. Unsere Gedanken sind dieser Tage bei seiner Familie.“
 

Gottfried Kiesow wurde am 7. August 1931 in Alt Gennin/ Kreis Landsberg an der Warthe, als Sohn eines Pfarrers geboren. Nach seinem Abitur 1951 ging er nach Göttingen, um hier Kunstgeschichte, Klassische Archäologie, Geschichte und Theaterwissenschaft zu studieren. Nach fünf Studienjahren wurde er zum Dr. phil. promoviert. Sein beruflicher Werdegang begann zunächst als Bezirksdenkmalpfleger in Hannover, dann in Braunschweig.
1966 trat Kiesow die Stelle des Präsidenten des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen an, die er in den nachfolgenden drei Jahrzehnten innehatte. Daneben war er als Honorarprofessor für das Fach Kunstgeschichte an der Johann-Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main tätig.

1973 trat er den Liberalen bei und wurde 1985 in die Wiesbadener Stadtverordnetenversammlung gewählt. Er war zwölf Jahre Stadtverordneter, von 1985 bis 1996 und von 1990 bis 1996 FDP-Kreisvorsitzender.

Prof. Dr. Kiesow hat sich während seiner Arbeit in der liberalen Fraktion große Verdienste für die Landeshauptstadt Wiesbaden und seine Bürger erworben. Als Politiker wie als Denkmalschützer setzte er sich seit Jahrzehnten für den Bau eines Stadtmuseums in Wiesbaden ein. Von Gottfried Kiesow stammte auch die Anregung, Wiesbaden als Stadt des Historismus in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufzunehmen. Für seinen unermüdlichen Einsatz wurde ihm 1997 die Bürgermedaille in Gold und 2006 die Ehrenbürgerschaft der Landeshauptstadt Wiesbaden verliehen.

Das Thema Denkmalschutz hat Prof. Kiesow nicht nur in Wiesbaden stets verfolgt, sondern er war bundesweit ein nachgefragter Experte. Angeregt durch positive Erfahrungen englischer Denkmalschützer, gründete er zusammen mit Spitzenmanagern der deutschen Wirtschaft 1985 die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, deren Vorstandsvorsitzender er bis Ende 2010 war. Im Januar 2011 übernahm er die Funktion des Vorsitzenden des Kuratoriums dieser Stiftung.

Kiesow sah ab 1989 den Schwerpunkt seiner Tätigkeit bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in der Rettung maroder Baudenkmale im Bereich der früheren DDR, wo er sehr erfolgreich tätig wurde.

Kiesows Idee, ein „Kompetenzzentrum für die Revitalisierung historischer Städte“ in der Stadt Görlitz zu schaffen, hat zur Einrichtung der Stiftungsprofessur „Stadterneuerung und Stadtforschung“ an der Fakultät Architektur der Technischen Universität Dresden geführt. Für sein Engagement wurde ihm am 15. Januar 2004 die Ehrendoktorwürde der Universität verliehen.

Aus seinem Privatvermögen begründete Kiesow die „Gottfried Kiesow-Stiftung“ unter der Treuhandschaft der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Laut Satzungsauftrag soll sie die Pflege alter Handwerkstechniken und das Wissen darum fördern. Dazu gehört insbesondere die Förderung der Denkmal Akademien in Romrod, Görlitz und Frankfurt-Höchst, des Görlitzer „Fortbildungszentrums für Handwerk und Denkmalpflege“ sowie der Jugendbauhütten, jeweils Einrichtungen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Für sein vielfältiges Engagement erhielt Prof. Dr. Kiesow folgende Ehrungen:

1995 Ehrenbürger von Görlitz

1996 Bundesverdienstkreuz 1. Klasse

1997 Ehrenbürger von Morschen

1997 Bürgermedaille in Gold der Stadt Wiesbaden

1998 Ehrenbürger von Quedlinburg

2000 Komturkreuz des Bundesverdienstkreuzes

2001 Kulturpreis des Landes Hessen

2002 Kulturpreis des Landes Mecklenburg-Vorpommern

2004 Ehrenbürger von Stralsund

2004 Ehrenbürger von Wismar

2005 Ehrenbürger von Zittau

2006 Ehrenbürger von Romrod

2006 Ehrenbürger von Wiesbaden

2006 Goldener Ehrenring der Stadt Dinkelsbühl

2007 Europa-Nostra-Medaille 2006 für das Lebenswerk[4]

2008 Ehrengabe des Historischen Vereins Alt-Dinkelsbühl e.V.

2010 „Einheitspreis“ der Superillu

2011 Deutscher Nationalpreis der Deutschen Nationalstiftung



Bildquelle: Wikipedia - DSD